Zwangsarbeit in der Lausitz

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Schlieben

1938 richtete der Leipziger Rüstungskonzern Hugo Schneider AG (HASAG) auf einer bewaldeten Fläche nördlich von Berga (seit 1940 Ortsteil von Schlieben) einen Schießplatz ein. Später wurde das Gelände um Produktionsstätten erweitert, in denen Kriegsgefangene und seit Mitte 1944 auch KZ-Häftlinge Panzerfäuste und andere Munition herstellen mussten.

Dazu wurde ab Juli 1944 auf ca. 500 ha ein von der SS verwaltetes Konzentrationslager eingerichtet und als drittgrößtes Außenlager (von 136 Außenlagern) dem KZ Buchenwald unterstellt.

Um die geforderten 1 Million Panzerfäuste monatlich fertigen zu können, mussten die mehr als 2.000 KZ-Häftlinge in einem extremen Akkordsystem ohne Gesundheitsschutzvorkehrungen schuften. Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Hunger, Krankheiten und Arbeitsunfälle – aber auch die unmenschliche Behandlung durch Aufseher, Kapos und SS-Mannschaften forderten zahllose Opfer.
Im April 1945, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee, wurde die Mehrzahl der Häftlinge in zwei Transporten in Richtung Konzentrationslager Theresienstadt geschickt. 

Das Lager wurde von Überlebenden als die „Hölle von Schlieben“ bezeichnet. Insgesamt waren mehr als 5.000 Häftlinge in Schlieben.
Heute existieren noch Ruinen der nach Kriegsende demontierten Panzerfaustproduktionsstätte und 12 weitgehend erhaltene Bunker. Die Wach- und Verwaltungsbaracke der Munitionsfabrik („Grüne Baracke“), die Baracken des ehemaligen Frauenlagers und weitere Baracken/Gebäude sind noch erhalten. 

Titelfoto: Privatbesitz, T. Grosser

BILDER

Luftbildausschnitt KZ-Außenlager, Kommando
HASAG (Luftbild Nr. 7026, 7-151B vom 18.04.1945
Luftbilddatenbank Dr. Carls, Estenfeld)
Panzerfaustwerk – Montagehalle
 
 
Panzerfaustfabrik –
Verfüllstation der Panzerfaustköpfe
 
Munitionsbunker des HASAG-Werks
 
Ehemalige Pulverabfüllanlage –
mit Splitterschutzmauer im Vordergrund
„Grüne Baracke“ ehemalige Verwaltungsbaracke
der HASAG – heute Gedenkstätte
OdF-Denkmal auf dem Friedhof in Schlieben
 
Die Zeitzeugen Ginette Lion und Giséle Probst
zur Eröffnung der Gedenkstätte 30.04.2011
Gedenkstein für die Opfer des
KZ-Außenlagers an der Gedenkstätte
Lageplan des ehemaligen HASAG-Geländes (um 1970)
Quelle: Privatsammlung I. Krause
Soweit nicht anders angegeben, stammen die Fotos vom Verein Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga e.V..
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BIOGRAFIEN

Die Lebens- und Leidenswege von in Schlieben inhaftierten KZ-Häftlingen sind in nachfolgenden Biografien beispielhaft dokumentiert.

Zvi Malron, geb. 1927 und Menahem Malron, geb. 1930
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Jakub Gutenbaum, geb. 1926
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Odette Laroque, geb. 1906
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Peter Schwarz, geb. 1916
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Norman Frejman, geb. 1929
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Ginette Lion, geb. 1928
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Berek Gomolinski, geb. 1924
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Roman König, geb. 1925
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Leo Rosner, geb. 1929
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Ben Helfgott, geb. 1929
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Marian Filar, geb. 1917
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Philomena Franz, geb. 1922
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ZEITZEUGEN

Brief des überlebenden KZ-Häftlings Marian Filar an Sonja Berger, die Tochter des Schießmeisters der Schießbahn in Schlieben, der ihm das Überleben im KZ-Außenlager Schlieben ermöglichte.
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Brief von Marian Filar an Walter Jahn, dessen Familie ihm die Möglichkeit einräumte, während seiner Haft im KZ-Außenlager Schlieben heimlich Klavier zu spielen.
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Über die große Explosion in der Panzerfaustfabrik der HASAG in Schlieben, die in der Nacht vom 11. zum 12. Oktober 1944 96 KZ-Häftlingen das Leben kostete, berichten später Häftlinge und Einwohner Schliebens.
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ZEITDOKUMENTE

Kaufbeleg von Grundstücken
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Schreiben des Generaldirektors der HASAG, Paul Budin, an den Bürgermeister der Stadt Schlieben vom 6.1.1945 über die Zahlung einer Geldzuwendung in Höhe von 20.000 RM.
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DOKUMENTATIONEN

Lebensverhältnisse im KZ-Außenlager Schlieben-Berga
Facharbeit von Lisa Schumann
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Das vergessene Lager … unvergessen Broschüre
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Verfolgung der Sinti und Roma – auch im Lager Schlieben
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