Zwangsarbeit in der Lausitz

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Das Kriegsgefangenenlager Mühlberg an der Elbe

Das Kriegsgefangenenlager Stammlager (Stalag) IV B Mühlberg wurde in Vorbereitung des deutschen Angriffs auf Polen ab August 1939 auf gepachteten landwirtschaftlichen Flächen errichtet. Zusammen mit dem Stalag IV A in Elsterhorst (Hoyerswerda) nahm das Lager zunächst polnische Kriegsgefangene auf, die in der Land- und Forstwirtschaft in Sachsen zur Arbeit eingesetzt wurden. Ankunftsort der Gefangenentransporte war zunächst der Bahnhof Neuburxdorf, ab Juli 1941 der Bahnhof Jacobsthal, von wo die Gefangenen ins Lager marschieren mussten.

Nach der Kapitulation Frankreichs und Belgiens kamen mehrere zehntausend französische und belgische Kriegsgefangene in das Stalag IV B, um dort zunächst registriert und dann im Fall der Mannschaftsdienstgrade zur Arbeit in Sachsen verteilt zu werden. Offiziere wurden in getrennten Offizierslagern (Oflags) untergebracht und mussten wie die Unteroffiziere in den Stalags nicht arbeiten, konnten dies aber freiwillig tun.

Im April 1941 trafen erneut tausende Gefangene ein, diesmal aus Jugoslawien, gefolgt von sowjetischen Kriegsgefangenen ab dem 15. Juli 1941. Für sie wurde Mühlberg neben dem Stalag 304 (IV H) Zeithain das zentrale Ankunfts- und Registrierungslager.
Bis Ende 1941 wurden bereits rund 50.000 sowjetische Kriegsgefangene im Stalag IV B mit einer Erkennungsmarkennummer registriert, bis Ende 1942 rund 100.000. Die arbeitsfähigen wurden wie die vorangegangenen Gefangenen zur Arbeit im mitteldeutschen Industrierevier, einschließlich der Offiziere und Unteroffiziere, versetzt.

Insgesamt durchliefen mehrere hunderttausend Kriegsgefangene fast aller Kriegsgegner Nazideutschlands das Lager und mehr als 320.000 von ihnen wurden bis in die Endphase des Zweiten Weltkriegs dort erstmalig registriert. Rund 2.300 sowjetische Kriegsgefangene verstarben infolge der unmenschlichen Lebensbedingungen und wurden in Massengräbern auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Neuburxdorf beerdigt. Nach einer Umbettung Ende der 1940er Jahre ruhen sie auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Elsterwerda.

» Luftaufnahme vom Lager von 1945 (Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.)
» Lagerplan vom Lager Mühlberg (Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.)
Titelbild: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.

BILDER

 Mühlberg Original-Fliegeraufnahme, undatiert
Quelle: Kreisarchiv Elbe-Elster
Mühlberg Original-Fliegeraufnahme
Mühlberg Original-Fliegeraufnahme, undatiert
Quelle: Kreisarchiv Elbe-Elster
Tor zum Vorlager mit Schlagbaum, undatiert
Tor zum Vorlager mit Schlagbaum, undatiert
 
 
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Wachsoldaten beim Appel vor der Hauptwache
Wachsoldaten beim Appel vor der Hauptwache
im Vorlager, 1940

Quelle: Bildarchiv GSEZ
Französische Kriegsgefangene
Französische Kriegsgefangene
der Kolonialarmee beim Marsch
durch das Tor zum Vorlager, 1940
Quelle: Bildarchiv GSEZ
Französische Kriegsgefangene und Bewacher
Französische Kriegsgefangene und Bewacher
auf dem Weg aus dem Lager, aufgenommen
vom Haupttor der Lagerstraße, 1940
Quelle: Bildarchiv GSEZ
Franzosen aufgenommen in einer
Französische Kriegsgefangene
aufgenommen in einer
Unterkunftsbaracke 1943
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Das Arrestgebäude im Lager, dahinter
Das Arrestgebäude im Lager, dahinter
die als provisorische Unterkünfte dienenden
Zelte, 1940
Quelle: Bildarchiv GSEZ
Französische Kriegsgefangene vor der Kantinenbaracke, undatiert
Französische Kriegsgefangene vor der
Kantinenbaracke, undatiert
 
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Bau eines Feuerlöschteichs durch sowjetische Kriegsgefangene 1942/43
Bau eines Feuerlöschteichs durch
sowjetische Kriegsgefangene 1942/43
 
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Fertiggestellter Feuerlöschteich der als Freibad für nichtsowjetische Gefangene genutzt werden durfte, 1943
Fertiggestellter Feuerlöschteich, der als Freibad
für nichtsowjetische Gefangene genutzt
werden durfte, 1943
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Sowjetische Kriegsgefangene beim Bau
Sowjetische Kriegsgefangene beim Bau
einer Baracke im "Russenlager" aus
Fertigholzbauteilen, undatiert
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Sowjetische Kriegsgefangene beim Essenempfang an der Küche, 1943
Sowjetische Kriegsgefangene beim
Essenempfang an der Küche, 1943
 
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Französische Gefangene warten im Freien mit
Gepäck auf Ihre Registrierung, 1940
  
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Warten auf Transport ins Arbeitskommando
Verteilung von Brot an französische Gefangene,
die auf ihren Transport in Arbeitskommando
warten, 1943
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Entlausung der Gefangenenkleidung  1943
Entlausung der Gefangenenkleidung, 1943
 
  
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
Kontrolle und Verteilung von Liebesgabenpakte an Gefangene 1943
Kontrolle und Verteilung von Liebesgabenpakete
an Gefangene, 1943
    
Quelle: Archiv der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.
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BIOGRAFIEN

Sowjetische Kriegsgefangene in Mühlberg an der Elbe
Quelle Wehrmachtskarteikarten: www.obd-memorial.ru
Fotos stammen aus der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain.
Mitrofan Andrejewitsch Moros, geboren 1915 in Marjanowka, Kreis Poltawa
Wurde als "Kommissar" identifiziert und aus dem Stalag IV B nach Zeithain versetzt, wo er an die Gestapo übergeben und im KZ Buchenwald anschließend ermordet wurde.
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Boris Iwanowitsch Sadkowin, geboren am 23.07.1909 in Sliwidowo, Bezirk Kaluga, Gebiet Tula
Arbeitete in dem Arbeitskommando Güldenstern in Mühlberg, verstarb in Zeithain.
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ZEITZEUGEN

Die Stadt Mühlberg

In einem Artikel von Oskar Klaufer, erschienen im Heimatkalender 1941, wird über die Folgen der Errichtung des Stalag IV B berichtet.
So heißt es am Ende des Artikels „ Alle ortsansässigen Geschäfte haben ihren Vorteil durch die Anwesenheit der vielen Soldaten, deren Zahlen die der Einwohner oft verdoppeln. Über diesen Auftrieb sind die Mühlberger dankbar und froh und sie hegen die Hoffnung, dass auch nach dem Kriege ein Teil der jetzigen Blüte ihrer lieben Stadt erhalten bleibt.“.
In der Gedenkfeier am 23.04.2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung dieses Lagers, betonten unter anderem Schüler aus dem Gymnasium in Herzberg, die das Tagebuch eines englischen Kriegsgefangenen gelesen hatten, dass so etwas hoffentlich nie wieder passieren möge.

Gespräch mit einem Mühlberger Zeitzeugen


Wie nach dem Gespräch bekannt wurde, arbeiteten die erwähnten englischen Kriegsgefangenen im Mühlberger Hafen.

Heimatkalender für den Kreis Liebenwerda auf das Jahr 1941
gedruckt in der Druckerei Ziehlke - Verfasser des Artikels: Dr. Oskar Klauser, Bad Liebenwerda
Quelle: Stadtarchiv Bad Liebenwerda
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ZEITDOKUMENTE

Grundriss einer Unterkunftsbaracke für 300 Gefangene im Stalag IV B
Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv
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Grundriss einer Küchenbaracke, von denen zwei im Stalag IV B errichtet wurden
Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv
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Grundriss der Arrestbaracke zur Verbüßung von Disziplinarstrafen im Stalag IV B
Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv
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Grundriss einer Latrinenbaracke im Stalag IV B, von den britischen Gefangenen spöttisch "fortyseaters" genannt
Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv
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Grundriss der Kantinenbaracke in der Nähe der Küchen, wo Gefangene für Lagergeld einkaufen konnten
Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv
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SCHUELERPROJEKTE

Auszüge aus der Facharbeit Jannes Karakas Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda
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