Zwangsarbeit in der Lausitz

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Finsterwalde

Während des II. Weltkrieges mussten knapp 1.000 Kriegsgefangene und rund 2.800 Frauen und Männer in Finsterwalde Zwangsarbeit verrichten, da es in der Rüstungsindustrie und der Land- und Forstwirtschaft an Arbeitskräften mangelte.

Sie kamen aus den von Deutschland besetzten Ländern und wurden gegen ihren Willen hierher deportiert und in folgenden nationalsozialistischen Lagern interniert:

  • Kriegsgefangenenlager oder
  • Zivilarbeiterlager

Die Kriegsgefangenenlager gehörten den Wehrmachtsdienststellen an und führten in jedem Wehrkreis mehrere „Oflags“ (Offizierslager) und „Stalags“ (Stammlager für Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere) sowie Tausende von Arbeitskommandos.

In die Zivilarbeiterlager kamen deportierte ausländische Frauen und Männer aus der Bevölkerung der besetzten Gebiete in einfache, umzäunte Baracken. Sie galten als „zivile“ Arbeitskräfte für die Rüstung und kriegswichtige Industrie.

Lager in Finsterwalde 1939 bis 1945 (Reproduktion-Privatunterlagen Paul Troschke, Finsterwalde +04.05.2010)

Titelfoto: Bahnhofs-Empfangsgebäude Finsterwalde - Ansicht aus den 30er Jahren – Fotoalbum Tiefbauamt Finsterwalde N/L, Stadtarchiv Finsterwalde

BILDER

Finsterwalde
Topfmarkt in Finsterwalde
Ansicht vom 23.09.1929
Finsterwalde
Berliner Straße in Finsterwalde
Ansicht vom 27.08.1930
Quelle: Fotoalbum Tiefbauamt Finsterwalde N/L, Stadtarchiv Finsterwalde
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ZEITZEUGEN

Brief von Frau Lydia Wasiljewna Wawerzak aus der Ukraine
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Brief von Frau Tatjana Stepanowna Schimko aus der Ukraine
Sie schrieb diesen Brief am 06.02.2001. Er erreichte die Stadtverwaltung Finsterwalde am 27.02.2001.
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„Wenn die Kirschen blühen, dann sind wir frei“
Zeitungsartikel der „Lausitzer Rundschau“, vom 06.04.2000. Ein erstes Lebenszeichen von einem ehemaligen Zwangsarbeiter, der auf dem Hof von Paul Seeland, Gröbitz Nr. 5, Kreis Luckau, arbeitete. Nach zwei Jahren Zwangsarbeit in Deutschland konnte Alexej Stompel wieder in seine Heimat zurückkehren.
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ZEITDOKUMENTE

Personenstandsregister Standesamt Finsterwalde, Sterbebücher Finsterwalde (Auszüge) - Stadtarchiv Finsterwalde
Die nachfolgenden Quellen lassen erkennen, dass es auch in Finsterwalde eine sogenannte „Ausländerkinder-Pflegestätte“ gab, die es im Jahr 1943 durch den Erlass des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, einzurichten galt. Dieser sah „Kleinkinderbetreuungseichrichtungen einfachster Art“ vor, um keinesfalls den Arbeitseinsatz der Zwangsarbeiterinnen zu gefährden. Die Säuglinge blieben dann, vorsätzlich unterernährt, hygienisch vernachlässigt und von den Müttern getrennt, in der sogenannten „Pflegestätte“. Die Bezeichnung: „Pflegestätte“ ist zynisch ausgedrückt. Es waren keine „Pflegestätten“, sondern Tötungsanstalten für Säuglinge und Kleinstkinder.
Ihre Chancen zum Überleben waren entsprechend gering. So starben sie vielfach an „Lebensschwäche“, den Folgen von Vernachlässigung und mangelhafter Ernährung. Nicht auszuschließen waren Vergiftungen und die vermehrt an Syphilis erkrankten Zwangsarbeiterinnen, die während der Schwangerschaft bzw. bei der Geburt ihre Kinder infizierten.
  1. 19. Januar 1943 (Totgeburt – Eltern wohnhaft im „Russenlager Wiesenhain“)
  2. 30. März 1943 (Tod eines polnischen Kindes – wohnhaft im „D. a. F. - Gemeinschaftslager Wiesenhain“)
  3. 07. August 1944 (Tod eines französischen Kindes – wohnhaft in Finsterwalde, im französischen Kinderheim des „D. a. F. Gemeinschaftslagers Wiesenhain")
  4. 06. November 1944 (Tod eines französischen Kindes, Vergiftung - wohnhaft im „D. a. F. Gemeinschaftslager Wiesenhain“)
  5. 09. April 1945 (Tod eines italienischen Kindes, Blutvergiftung – wohnhaft im Ostkinderheim des „D. a. F. Gemeinschaftslagers Wiesenhain“)
Quelle:
Sterberegister Nr.   20/1943 Standesamt Finsterwalde
Sterberegister Nr. 100/1943 Standesamt Finsterwalde
Sterberegister Nr. 273/1944 Standesamt Finsterwalde
Sterberegister Nr. 408/1944 Standesamt Finsterwalde
Sterberegister Nr. 241/1945 Standesamt Finsterwalde
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Zwangsarbeitslager „Heinrichsruh“ – BGM/72 Stadtarchiv Finsterwalde
Während der NS-Zeit gab es auch in Finsterwalde mehrere Lager, in denen es ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene unterzubringen galt. Eines dieser war das im Volksmund genannte „Siemenslager“, welches in den überlieferten Unterlagen als Lager „Heinrichsruh“ bestand und sich nördlich der damaligen „Windhukstraße“, der heutigen Heimstätten Siedlung, in Finsterwalde, befand. Es handelt sich hierbei um ein Massivbarackenlager, für dessen Errichtung der Baubevollmächtigte des Reichsministeriums, Speer, im Bezirk der Rüstungsinspektion III, Brandenburg, die Planung fertigte. Mit Schreiben vom 20.09.1943, erteilte der Regierungspräsident zu Frankfurt an der Oder für das geplante Bauvorhaben seine Zustimmung, unter der Bedingung, dass die behelfsmäßig errichteten Bauten spätestens 24 Monate nach Kriegsende wieder entfernt werden. Als Zeitpunkt des Baubeginns wurde der 16.08.1943 festgeschrieben. Für den Lageplan zeichneten die Architekten F. Beyer und J. Scherer in Berlin W.35, Potsdamer Straße 108, verantwortlich. Nach dem Krieg wurde das ehemalige „Siemenslager“ als sogenanntes „Umsiedler Lager“ genutzt, um Flüchtlinge bzw. Umsiedler aufzunehmen, bevor sie eine Aufenthaltsgenehmigung für die Stadt Finsterwalde, bis auf Widerruf, bekamen. Von 1948 bis 1952 erfolgte der Ausbau mit Hilfe von Investitionsmitteln für Wohnungen.
Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Barackenlager Finsterwalde Lageplan vom 27.08.1943
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Lager Finsterwalde vom 06.09.1943
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Barackenlager für ausländische Arbeitskräfte vom 20.09.1943 Teil I
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Barackenlager für ausländische Arbeitskräfte vom 20.09.1943 Teil II
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Lager Finsterwalde vom 23.09.1943
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwale Massivlager Finsterwalde vom 28.07.1944
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Signatur BGM 72_ Stadtarchiv Finsterwalde Massivbarackenlager Finsterwalde vom 26.10.1944
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Gemeinschaftslager Heinrichsruh vom 10.01.1945 Teil I
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Signatur BGM 72 _ Stadtarchiv Finsterwalde Gemeinschaftslager Heinrichsruh vom 10.01.1945 Teil II
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Einsatz Kriegsgefangener für die städtische Ascheabfuhr – BGM/73 Stadtarchiv Finsterwalde
Die in den Finsterwalder Lagern untergebrachten Zwangsarbeiter waren nicht nur in der Rüstungsindustrie tätig. Anhand von Rechnungen, ausgestellt vom Stadtbauamt Finsterwalde am 12.04.1945, setzte man russische Kriegsgefangene und französische Arbeiter für die Ascheabfuhr im Rathaus ein. Zugleich wurden französische Kriegsgefangene für die Ascheabfuhr städtischer Wohngebäude beansprucht. Die Lohnzahlungen erfolgten aus der Stadthauptkasse für das IV. Quartal des Jahres 1944. Differenziert auf folgende Stundenlöhne:
Französische Kriegsgefangene =  0,60 RM/Stunde
Russische Kriegsgefangene =  0,70 RM/Stunde
Französische Zivilarbeiter =  0,75 RM/Stunde
Deutsche Arbeiter = 0,95 RM/Stunde.
Signatur BGM 73 _ Stadtarchiv Finsterwalde Rechnung vom 12.04.1945 Lohn franz. Kriegsgefangene
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Signatur BGM 73 _ Stadtarchiv Finsterwalde Rechnung vom 12.04.1945 Lohn russ. Kriegsgefangene
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